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NIKOLAUS auf LINCOLN

Der Nikolaus kommt auf die Lincoln-Siedlung! So stand es im Gemeindebrief der Andreasgemeinde -zu dem dieses Kirchngebiet gehört- und auf den Plakaten und Briefkästen in allen Häusern. Eine Einladung an alle auf Lincoln wohnen Eltern mit ihren Kindern zum Nikolaus in den Pavillon auf Lincoln zu kommen. Uns sie kamen! Von den beiden Quartiermanagerinnen Petra Elmer und Ingrid Erdmann sowie von Pfarrerin Karin Böhmer herzlich begrüßt und zum Verweilen eingeladen beim Sternebasteln, Lebkuchenessen und Malen und alles was Kinderherzen höher schlagen lässt. Mit dabei sind auch von der Andreasgemeinde, der Vorsitzende des Kirchenvorstands Karlheinz Friedrich und der KV-Beauftragte für DRiN und Lincoln Herbert Gunkel und die Konfirmanden.

Preisübergabe für Kinder und Jugendarbeit

Nicht nur der Nikolaus beschenkt die Kinder, auch die Andreasgemeinde wurde beschenkt. Man hatte sich auf einen Preis beworben, der von der Kinder- und Jugendstiftung der Evangelischen Jugend der EKHN ausgeschrieben war und wurde ausgewählt für die inklusive, interkulturelle und interreligiöse Art, wie die Andreasgemeinde in das neue Quartier Lincoln hineingeht, dabei ist und Nachbarschaft lebt um gemeinsam Räume zu entdecken und das Quartier weiter zu entwickeln. [Wie die Aktivitäten der Nachbarschaftsrunde und bspw. das Begegnungsfest ‚Sommer auf Lincoln‘ unlängst bewiesen haben.].
So ist vom Kuratorium der Landesjugendpfarrer Gernot Bacht Leucht gekommen um den Preis über tausend Euro mit Urkunde an die Pfarrerin und den KV-Vorsitzenden zu überreichen.

Im Pavillon, alles festlich geschmückt, der Bauverein hat einen Weihnachtsbaum spendiert und es riecht nach adventlichen Köstlichkeiten. Etwa vierzig bis fünfzig Kinder, auch Kleinkinder mit ihren Müttern und den größeren Geschwistern sind gekommen und Väter, Eltern; an die dreißig Erwachsene. So haben die Quartiersmanagerinnen und Helfer alle Hände voll zu tun. Zunächst werden Lieder gesungen, ja der Nikolaus herbeigesungen und durch die Fensterscheiben des Pavillons hat man einen Ausblick auf die Baumgruppe vor der Heidelberger Straße. Eine Stimmung wie bei Waldweihnacht!

Der Nikolaus lässt sich zunächst erzählen, was die Kinder von ihm wissen? – Da werden viele Geschichten zum Besten gegeben die dem Bischof von Myra, huetige Türkei zugeschrieben werden. Klar ist, dass er ein kinderliebender Priester und Abt gewesen ist, der sich für die Kinderrechte einsetzte und Süßigkeiten verteilte und auch mit dem Kirchenschatz Gutes tat. Mit dem Lied: nun lasst uns froh und munter sein, geht die Bescheerung voran. Die Konfirmanden helfen, quasi als Wichtel aus, damit alle Kinder in den Genuss der Gaben kommen. Apfel, Schokoladennüsse und St. Nikolaus in Schokolade. Die Kinderaugen strahlen, die Eltern, wo sie auch herkamen finden es schöner, als sie sich das vorgestellt hatten.

Ein wunderbarer Nachmittag im Pavillon, da sich die Kinder und Eltern wohl und aufgehoben fühlten geht nach fast drei Stunden zu Ende. Nicht ohne Verabredungen zur gegenseitigen Kinderbereuung und was sich sonst noch über die Quartiersmanagerinnen organisieren lässt. Danke Andreasgemeinde!

Bericht von Herbert E. Gunkel, Kirchenvorsteher und Beauftragter für DRiN-Projekt und Nachbarschaftsrunde: Willkommen Lincoln

Grußwort von Karin Böhmer

Liebe Leserinnnen und Leser,

Auf der Suche nach dem Weihnachtsstern, den ich in der Advent- und Weihnachtszeit so gerne
ans Fenster hänge, fällt mir ein kleiner Stempel zum Verschönern von Weihnachtspost in die Hände.

Jauchzet

ist darauf zu lesen. Was für ein schönes Wort! Benutzen wir es eigentlich noch im alltäglichen Sprechen, frage ich mich und probiere den Stempel sofort aus. Lese oder höre ich „jauchzen“, denke ich sofort an Kinder, an ausgelassene Freude, an Spiel, Spaß und Begeisterung. Wann war ich das letzte Mal „ganz aus dem Häuschen“ und habe mein Entzücken lauthals zum Ausdruck gebracht? Am ehesten noch beim Tanzen oder Singen.

Jauchzet

Mit Jauchzen und Frohlocken beginnt auch das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach. Die Freude, der Jubel über die Geburt Gottes will in die Welt hinaus. Mit Pauken und Trompeten.
„Wohl dem Volk, das jauchzen kann“, so Psalm 89,16 in der Bibel. Wie wahr. Auch bei Bach wird es nach dem Jauchzen erstmal stiller und der Chor stimmt sehnsüchtig die Frage an „Wie soll ich dich empfangen?“.

Jauchzet

Bei mir daheim hängen jetzt hier und da kleine Zettel. Im Bad am Spiegel. Im Büro am PC. Erinnern mich mit einem Wort: Du hast allen Grund, dich zu freuen. Die Liebe ist unterwegs. Sie hat es schwer. Aber sie hört nicht auf um Einlass zu bitten. Bei mir. Bei dir. In der Welt.

Ich wünsche Ihnen und euch eine gesegnete Zeit.

Karin Böhmer

Predigt zum Reformationsjubiläumsjahr

Ansprache im Gottesdienst zum Reformationsfest 2016 = Beginn des Jubiläumsjahres

‚Eine neue Reformation – Leben und Wirken der Theologin Dorothee Sölle‘

Liebe Gemeinde!

Dorothee Sölle – wer war diese Frau und was können ihre Gedanken und Worte zu einer Reformation, zu einer Erneuerung der Kirche beitragen?
Es gibt einiges, was Dorothee Sölle mit dem Reformator von 1517, mit Martin Luther verbindet. Beide waren sehr leidenschaftlich fromme Menschen; beide waren sehr streitbar und dabei auch sehr mutig und unerschrocken. Beide hatten viele Anhänger und viele Feinde, wurden umjubelt, geliebt und bekämpft.
Beiden war die Sprache, vor allem die religiöse und die kirchliche Sprache, die sprachliche Verständlichmachung dessen, was die Bibel sagt, ein Herzensanliegen. Für Dorothee Sölle waren Theologie und Poesie, Literatur sich gegenseitig beflügelnde Freundinnen. D. Sölle hat selbst viele Gedichte geschrieben. In einem Gedicht über ihren Sohn Jakob benennt sie Martin Luther und verwendet ein bildhaftes Wort von ihm: Gott sei ein ’Backofen voll Liebe‘.
ist das nicht ein wunderschöner Ausdruck: Gott – ein ‚Backofen voll Liebe‘? Ein Ausdruck, der gut die 500 Jahre überleben konnte und noch heute verständlich ist.
Also: Dorothee Sölle, 1929 in Köln geboren, war Ev. Theologin und Schriftstellerin. Sie hat sich in Theologie habilitiert, bekam aber in Deutschland keinen Lehrstuhl, obwohl ihre Bücher sehr gelesen wurden, in viele Sprachen übersetzt wurden und ihre Vorträge die Kirchen und andere Räume immer überfüllt sein ließen. In den USA bekam sie einen Lehrstuhl für Theologie; 12 Jahre hat sie in New York gelebt und gelehrt. 1987 kehrte sie von dort zurück und lebte dann als freie Schriftstellerin in Hamburg. Sie hat 3 Kinder und mehrere Enkel, war in 2. Ehe mit dem ursprünglich katholischen, dann konvertierten Theologen Fulbert Steffenski verheiratet. 2003 ist D. Sölle auf einer Tagung, bei der sie Referentin war, 73jährig an einem Herzinfarkt gestorben.

Sprache – das soll nach dieser kleinen Einführung das 1. Thema sein; dann folgen Gedanken zu Glaube und Politik, nach einer kleinen musikalischen Pause sollen uns noch die Themen Sonntagsschutz und Sehnsucht beschäftigen. Ich denke, dass sind 4 Themen, die in unserer Zeit, 500 Jahre nach Luthers Thesenanschlag und 13 Jahre nach Sölles Tod, sehr aktuell sind und die in unseren Kirchen das Feuer und die Leidenschaft des reformatorischen Geistes wachhalten können.

Sprache – ich zitiere D. Sölle:

‚Unsere Sprache empfinde ich (oft) als zerstört, ja als korrumpiert. Wenn ein Wort wie ‚Liebe‘ aufs Auto oder ein Wort wie Reinheit aufs Waschmittel angewandt wird, dann haben diese Wörter überhaupt keine Sinn mehr. Solche Wörter sind bei uns beschädigt. Das gilt erst recht für die religiöse Sprache. ‚Jesus Christus ist unser Erlöser‘ das ist zerstörte, tote Sprache. Das versteht kein Mensch, es ist religiöses Geschwätz….
Ich will ein Gegenbeispiel erzählen. Meine Enkelin Johanna, 5 Jahre alt, kam aus dem Kindergarten und sagte. Mit dem Jesus, das war ganz schlimm, den haben sie totgemacht, mit Nägeln durch die Hand. Aber dann, da war Ostern, da ist der – hihi – wieder aufgestanden.
Für dieses fröhliche geprustete ‚hihi‘ kann ich einige Meter theologischer Literatur weggeben.

Dann schreibt D. Sölle weiter, dass sie sich für leeres Geschwätz in der Kirche, für ‚gequasselte, tote Sprache‘ schämt. Und dass sie immer auf der Suche bleibt nach lebendiger Sprache. Und die findet sie vor allem in biblischer Sprache, in deren lebendigem Ausdruck, und sie sagt:

Vor allem ohne die Psalmen möchte ich nicht leben. Und ohne den eigenen Psalm zu finden und wenn er auch nur so kurz ist, wie Johannas ‚hihi‘ erst recht nicht.
Es ist wichtig, dass Menschen sich ihre eigenen Schmerzen klarmachen und ihre je eigenen Fragen in größerer Tiefe artikulieren.

D. Sölle konnte viele Psalmen und Gedichte auswendig, die sie auch gerne vortrug bzw. mit anderen gesungen hat. Sie hat in Sprache gelebt – in geprägter, kunstvoll formulierter, und sie hat mit der Sprache gerungen, hat Formulierungen Sprachbilder gesucht und gefunden, die Menschen ins Herz trafen, die Phantasie anregten und in Bewegung setzen.

Glaube und politisches Engagement

Ganz anders als bei Luther, der das in seiner Zwei-Reiche-Lehre getrennt hat, gehören für D. Sölle Glaube, Frömmigkeit, Religiosität und politisches Handeln untrennbar zusammen.
‚Beten und Tun des Gerechten‘ hat es Dietrich Bonhoeffer formuliert und auch: ‚Wer fromme Liede singt, muss auch für die Juden schreien‘.
Die Welt als Ganze in den Blick nehmen und das aus der Perspektive derer, die an den Rand gedrängt werden, die Opfer der ungerechten Verteilung sind, der Hungernden, der Kriegsopfer, derer, die um ihr Leben zu retten, flüchten müssen – und das in der Nachfolge Jesu sehen und entsprechend handeln. Für Bonhoeffer und Sölle ist Jesus einer, der Partei nimmt, der die Ausgegrenzten, die Kranken, Armen, Leidenden nicht nur wahrnimmt, sondern sich mit ihnen solidarisiert, sie selig preist (wie wir es in den Seligpreisungen am Anfang gesprochen haben: die Armen, die Leidenden, die Verfolgten, die nach Gerechtigkeit Hungernden). Und er wird einer der Ihren bis hin zur Annahme der grausamen Todesstrafe für Verbrecher am Kreuz.
In der Nachfolge Jesus gilt es wie er für die Entrechteten einzutreten, sich für sie einzusetzen und mit ihnen von unten her das Reich Gottes mit aufzubauen. Denn Gott braucht uns für sein Werk:

Im Reden vom lieben Gott, der allmächtig ist und behütet und beschützt, vergessen wir…Gott hat keine anderen Hände als unsere,…Auch wir können Gott lieben, schützen, wärmen, dem es vielleicht auch manchmal kalt wird, wenn er diese Welt ansieht. Gott über alle Dinge lieben, das ist, was Mystik für ans alle sein kann.

Mystik war für Sölle auch ein großes Thema. Ein dickes Buch von ihr trägt den Titel: Mystik und Widerstand. Mystik ist ja eine besondere Gottessuche, eine Suche nach dem Eins werden mit dem Göttlichen, dem Ewigen, ist eine Hingabe an ein Staunen über die Schönheit Gottes, die immer wieder auch im Alltag aufblitzen kann, eine Selbstvergessenheit, die aber bei Sölle nie eine Weltvergessenheit ist, nie weltfremd, weltabgewandt ist. Es ist eine Gottesbedürftigkeit im doppelten Sinn: Eine Bedürftigkeit nach Gottes Nähe und ein Wissen, dass auch Gott bedürftig nach uns ist, dass Gott uns braucht, unser Tun des Gerechten, unseren Widerstand gegen alle Mächte und Strukturen, die menschenverachtend und darum gottlos, die leben- und weltzerstörend sind und auf zynische Weise wenige auf Kosten vieler sehr reich werden lassen.
In einem Vortrag zur Reformation hat D. Sölle 1968 gesagt:

Eine Kirche der Armut, eine Kirche des politischen Engagements – das ist ein Leitbild, das die konfessionellen Grenzen hinter sich lässt.

Ein kleines Beispiel dafür haben wir in unserer Gemeinde: Die Gruppe derjenigen, die den samstäglich stattfindenden Willkommenstreff für Geflüchtete Frauen und Kinder trägt und veranstaltet, ist gemischt aus Menschen unserer und anderer evangelischer Gemeinden, aus Katholikinnen und Menschen, die eher kirchenfern und auch aus der Kirche ausgetreten sind. Alle sind vereint im Engagement und tun dies gerne in Räumen und im Rahmen einer Kirchengemeinde.
So ist das politisch-soziale Engagement auch eine große Chance für die Kirchen, eine Chance für gemeinsames Handeln der Konfessionen, eine Chance, ja ein Reichtum, den die Kirchen Menschen auf der Suche nach einem sinngebenden Tun bieten können.

  • kleine Pause mit Orgelmusik (Improvisation zu ‚Sonne der Gerechtigkeit‘)

  • Pause zum Nach-Denken des Gehörten und auch zum Lesen des Glaubensbekenntnis‘
    das im Anschluss an die Ansprachen gemeinsam gesprochen werden wird.

Sonntagsschutz

Eine Aufgabe, die sich aus dem Zusammenhang von biblischem Zeugnis und gesellschaftspolitischem Handeln in besonderer Weise für die Kirchen heute stellt, ist der Schutz des Sonntags, der Schutz eines freien Tags in der Woche, der in unserer von christlicher Tradition geprägten Kultur der Sonntag ist, der Ruhetag Gottes, der Tag der Auferstehung Jesu.
Vielen weltlichen Mächten, der Wirtschaft, vor allem der neoliberalen Wirtschaft ist der Sonntag ein Dorn im Auge, ja ein Stachel im Fleisch: Ein Tag, wo das Geschäftsleben stillsteht, wo weniger Umsatz gemacht wird, wo Produktionsmaschinen abgestellt sind.
Gegen diese Mächte sich zu behaupten, braucht es vor allem den Widerstand der Kirchen, denn wir wissen, worum es geht, was das Heilsame an diesem uralten Gottesgebot ist:

‚Du sollst den Feiertag heiligen‘.

Für den Schutz des Sonntags und gegen alle Aushöhlung dieser segensreichen Tradition gibt es schon gutes Engagement, gerade auch hier in Darmstadt (im Verbund mit Gewerkschaften und anderen Gruppen und im gemeinschaftlichen Tun verschiedener Konfessionen)
Ich würde mir wünschen, dass dieses Thema gerade im Jubiläumsjahr 2017 ein ganz zentrales Thema wird. In diesem Jahr wird die Evangelische Kirche viel Aufmerksamkeit bekommen und wird gehört werden. Mit einem bloßen Lutherrummel, der zu solchen Absurditäten wie den Verkauf von Luthernudeln führt, vergibt die Kirche eine Riesenchance.
Einen der schönsten Texte zum Gebot der Sonntagsruhe hat D. Sölle geschrieben, ein Text, der nicht oft genug zitiert werden kann:

Das dritte gebot sagt mir

Du sollst dich selbst unterbrechen
zwischen arbeiten und konsumieren
soll stille sein und freude
zwischen aufräumen und vorbereiten
sollst du es in dir singen hören
gottes altes lied von den sechs tagen
und dem einen der anders ist

Zwischen wegschaffen und vorplanen
sollst du dich erinnern
an diesen ersten morgen
deinen und aller anfang
als die sonne aufging
ohne zweck
und du nicht berechnet wurdest
in der zeit die niemanden gehört
außer dem ewigen

Und nun noch das – wie ich finde – wichtigste Thema, eins, das mich persönlich ganz stark anspricht: die Sehnsucht

Es geht um die Sehnsucht nach dem Reich Gottes, nach dem, dass sich der Wille Gottes auf Erden durchsetzt, dass die Welt frei und erlöst wird vom Bösen – all das, worum wir im Vater unser bitten: die Sehnsucht nach einer Welt in Frieden, in bewahrter, heiler Schöpfung, in Gerechtigkeit für alle Menschen.
Wir Christen haben dieses Ziel, dieses Ausgerichtet sein unseres Denkens, Träumens und Handelns, diese Sehnsucht nach Shalom.
‚Ich kann ja doch nichts tun‘ und ‚es gibt keine Alternative‘ – solche Sätze sind für Dorothee Sölle Sünde, sind eine Trennung von Gott, indem ich die Sehnsucht verrate und mich in den Niederungen der Gottesferne, in menschunwürdigen Arbeitsprozessen einrichte und mich depressiv und resignativ mit Ungerechtigkeit und zerstörerischen Lebensstrukturen abfinde.
‚Es ist noch nicht erschienen, was wir sein werden‘ – diesen bewegenden Text haben wir vor der Predigt gehört – es ist noch nicht erschienen, aber wir sind dahin ausgerichtet und wir haben es im Blick und im Fokus unseres Handelns, was alles noch nicht gut ist und wozu Gott unsere Mitarbeit braucht. Und diese Mitarbeit ist ein Tun, das auch Pausen kennt, eine selbstvergessene Freude am Schönen, das Gott uns schenkt, am Spielerischen und Leichten, Freude an diesen Geschenken, die wir nicht den Mächten des Bösen überlassen wollen, sondern in deren Genießen wir Gott loben.
Dieses Ausgerichtet sein, dieses Eine-Richtung-haben auf ein wunderbares Ziel, das vereint uns Christen verschiedener Konfessionen. Vom Ziel her verlieren die Unterschiede ihre trennende, ausgrenzende Macht.
Das wünsche ich mit vom Reformationsjubiläumsjahr, das morgen beginnt und mit dem allgemeinen Feiertag am 31.10.2017 endet, dass diese Botschaft vom großen Ziel, vom großen jüdisch-christlich-biblischem Traum zu hören ist und dass für den Weg zu diesem Ziel alle Kräfte gebraucht werden, die nicht vergeudet werden sollen für theologische Haarspaltereien und Abgrenzungen.
Denn: Selig sind, die Hunger und Durst haben nach der Gerechtigkeit…
Selig sind, die wie Dorothee Sölle die Sehnsucht nach erfülltem Leben für alle wachhalten!

AMEN.

Nach katholischer Tradition wollen wir heute das Glaubensbekenntnis jetzt, nach der Ansprache, sprechen, und wir sprechen es mit Worten, die Dorothee Sölle formuliert hat:

Ich glaube an gott
der die welt nicht fertig geschaffen hat
wie ein ding das immer so bleiben muss
der nicht nach ewigen gesetzen regiert
die unabänderlich gelten
nicht nach natürlichen ordnungen
von armen und reichen
sachverständigen und uniformierten
herrschenden und ausgelieferten

ich glaube an gott
der den widerspruch des lebendigen will
und die veränderung aller zustände
durch unsere arbeit
durch unsere politik

Ich glaube an jesus christus
der recht hatte als er
„ein einzelner der nichts machen kann“
genau wie wir
an der veränderung aller zustände arbeitete
und darüber zugrunde ging
an ihm messend erkenne ich
wie unsere intelligenz verkrüppelt
unsere fantasie erstickt
unsere anstrengung vertan ist
weil wir nicht leben wie er lebte

Ich glaube an jesus christus
der aufersteht in unser leben
dass wir frei werden
von vorurteilen und anmaßung
von angst und hass
und seine revolution weitertreiben
auf sein reich hin

Ich glaube an den geist
der mit jesus in die welt gekommen ist
an die gemeinschaft aller völker
und unsere verantwortung für das
was aus unserer erde wird
ein tal voll jammer hunger und gewalt
oder die stadt gottes
ich glaube an den gerechten frieden
der herstellbar ist
an die möglichkeit eines sinnvollen lebens
für alle menschen
an die zukunft dieser welt gottes

amen.

Ev. Andreasgemeinde Darmstadt- Bessungen
Pfarrerin i.R. Andrea Bauer
30.11.2016

Anmeldung zu den Bessunger Ferienspielen 2016

„Pippi Langstrumpf“ und „Robin Hood“ nach den Erzählungen von Astrid Lindgren und Howard Pyle

Von Montag, den 18.07.2016, bis Freitag, den 22.07.2016, und von Montag, den 25.072016, bis Freitag, den 29.07.2016, jeweils 9:00 – 15:30 Uhr, finden in der Ev. Paulusgemeinde für Kinder zwischen 6 und 12 Jahren die Bessunger Ferienspiele 2016 statt.

In der ersten Woche kommst du mit uns nach Schweden zu einem Besuch bei Pippi Langstrumpf in der Villa Kunterbunt. Gemeinsam mit Pippi, Tom und Annika gibt es viel zu erleben und zu entdecken. Es wird kunterbunt in dieser Woche.

Die zweite Woche steckt voller Spannung und Abenteuer. Begleite Robin Hood im Sherwood Forest. Komm mit uns auf einen Streifzug durch den Wald und erlebe spannende Abenteuer. Bist du bereit?

Es erwarten dich Tage voller Spiel, Spaß, Ausflügen, Theater, kreativen Angeboten, Tanz, Geschichen und vieles mehr. Die Bessunger Ferienspiele werden von einem Team ehrenamtlicher Jugendlicher und junger Erwachsener unter der Leitung der Gemeindepädagogin für Bessungen geplant und durchgeführt.

Der Teilnehmerbeitrag beträgt pro Woche 50,00€. Die Anmeldung ist möglich über das Anmeldeformular im Flyer. Im Flyer finden Sie alle weitern wichtigen Informationen. Die Anmeldung mit dem Flyer finden Sie ab Montag, den 11.04.2016, unter www.andreasgemeinde-darmstadt,de, www.paulusgemeinde-darmstadt.de und www.petrusgemeinde-darmstadt.de.

Laden Sie sich das Anmeldeformular herunter, drucken Sie und füllen Sie es aus, geben Sie es im Gemeindebüro der Ev. Paulusgemeinde, Niebergallweg 20, ab oder werden Sie es in den Briefkasten des Gemeindebüros und zwei Wochen voller Spannung und Abenteuer können für Ihr Kind beginnen.

Ab Montag, den 11.04.2016, liegt der Flyer mit den Anmeldeformular auch in den Bessunger Gemeinden aus. Bei Fragen steht Ihnen die Gemeindepädagogin für Bessungen, Regine Häge, unter 06151 3530148 oder per Mail gerne zur Verfügung.

 

Flyer und Anmeldeformular:
Bessunger Ferienspiele Flyer und Anmeldeformular

Ostern 2016

Frohe Ostern!

Der Ostersonntag ist einige Tage her, die Festlichkeiten zu Ende, die Gästezimmer wieder leer und beim Einkaufen im Supermarkt ist wieder Normalität eingekehrt. Die Feiertage rund um Ostern sind wohl die bedeutendsten Feste der Christenheit. Ich hatte mich selten so intensiv mit den Festen und ihren Ritualen auseinandergesetzt wie in diesem Jahr. Vielleicht ein guter Anlass, über das Geschehen zu Ostern in unserer Andreasgemeinde zu berichten.

Jugend-Event zum Ostergeschehen

Den Anfang machte die Jugend. Schon etwa zwei Wochen vor dem Ostersonntag fand ein Jugend-Event zum Ostergeschehen, zwar nicht in der Andreasgemeinde, sondern in der Pauluskirche statt. Geplant und durchgeführt wurde diese Veranstaltung gemeinsam für alle Jugendlichen der Region Bessungen. Viele Konfi-Gruppen aus Darmstadt fanden den Weg zu den Stationen, die an den Kreuzweg Jesu angelehnt waren. Bilder zeigten die historischen Orte in Jerusalem, wie sie sich heute darstellen. Bilder, Geräusche und Texte luden zum Nachdenken, Schreiben oder zum Austausch ein.

Gründonnerstag

Sedermahl in der Andreasgemeinde

Der Abend des letzten Zusammentreffen Jesu mit seinen Jüngern. Als Ursprung unseres Abendmahls wurde zu diesem Gedenken, schon vor einigen Jahren ein besonderes Ritual in der Andreasgemeinde eingeführt. Eine Tafel, gedeckt wie im Restaurant, so fand ich den Kirchsaal an diesem Abend vor. Dieser besondere Gottesdienst wurde mit Elementen des jüdischen Sedermahls gefeiert. Das ritualisierte Sprechen, Essen und Trinken ließen die Tradition erleben, in der Jesus wohl einst mit seinen Jüngern das jüdische Passahfest beging. Das letzte Mahl Jesu, wohl im Bewusstsein um seinen nahen Tod.

Karfreitag

Das Sterben Jesu. Die Evangelien berichten vom grausamen Tod Jesu am Kreuz, mit allem Leid, die der Mensch Jesus erlitten hatte. In der Erinnerung an den Tod Jesu, wurde der Kirchenschmuck entfernt und der Altar leer geräumt. Zuletzt befanden sich nur eine Dornenkrone und ein brennendes Grablicht auf dem Altar. Stille und Gedenken an die Situation, in der sich die Anhänger von Jesus wohl befunden hatten.

Die Osternacht

So dunkel wie die Szenerie vom Karfreitag, so finster noch der Kirchsaal, in dem sich die Andreasgemeinde in der Osternacht versammelt hatte.

Nach einer Zeit der Trauer wollten Maria Magdalena und die „andere Maria“ Abschied von Jesus nehmen und gingen noch einmal zu dessen Grab. In dieser Osternacht berichtet ein Engel den beiden Frauen, die das leere Grab vorfinden, von einem der größten Wunder in der Geschichte Jesu: seiner Auferstehung.

Am Osterfeuer im Innenhof der Gemeinde wurde die Osterkerze entzündet und an ihr viele andere Kerzen, die zurück in den Kirchsaal gebracht wurden und ihn wieder erleuchteten. „Er ist wahrhaftig auferstanden“ wurde von der Gemeinde wiederholt, nachdem über die Auferstehung und das Erscheinen von Jesus vor den beiden Frauen berichtet wurde. Nachdem das Licht und damit das Symbol für die wiederkehrende Hoffnung zurück in die Gemeinde gekommen war, wurde der Altar erneut geschmückt.

Ostersonntag

Der Familiengottesdienst mit Abendmahl bildete schließlich den fröhlichen Höhepunkt der Feiern um Ostern. Mit dem Ostersonntag nun, schließt sich der Kreis meines Berichts vom Anfang. Seit der Osternacht wünschen wir uns „Frohe Ostern“ und die Passionszeit ist zu Ende.

IMGP0330s_1000x400pxDer Gottesdienst, bei dem von Kindern ein dunkles Kreuz in der Mitte des Kirchsaals mit Blumen geschmückt wurde, bot noch einen weiteren, besonderen Höhepunkt für die Familien der Andreasgemeinde. Das anschließende Ostereiersuchen auf dem Gelände der Kindertagesstätte, bei dem alle Kinder gemeinsam suchten, aber auch alle abschließend das Gefundene gerecht untereinander aufteilten.

Eine schöne Tradition, so finde ich, die ein wenig anders funktioniert, als man es hätte erwarten können. Vielleicht hat sie sich ja auch deswegen bis heute gehalten.

Heiko Schock

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Die Gestaltung einer Nachbarschaft

Jahrelang war es still um die großen Gebiete, die die amerikanische Armee nach Ihrem Wegzug aus Darmstadt vor einigen Jahren hinterlassen hatte. Die Gebiete waren umzäunt, menschenleer und an einigen Stellen, begannen schon Pflanzen einen Teil der Infrastruktur zu überwuchern.

Doch dann, kam gefühlt alles ganz schnell. In der Lincoln Siedlung wurde abgerissen, gebaut und saniert. Bald nach den ersten Aktivitäten kamen auch schon die ersten Bewohner. Studenten und Familien fanden Wohnraum. Wohnprojekte, Vereine und Kirchengemeinden begannen sich für das neu Entstehende zu interessieren. Neues Leben entsteht auf den Konversionsflächen.

Auch die Andreasgemeinde war schon früh einer der Akteure, die sich um die Gestaltung der neuen Nachbarschaft mühte. Zusammen mit der Matthäusgemeinde bewarben sich die beiden Kirchengemeinden um das Projekt DRIN, das durch die Diakonie und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, soziale Projekte fördert. Unser Projekt, “Kirche im Quartier – Nachbarschaft gestalten” soll den Prozess des Entstehens des neuen Wohngebiets auf Lincoln aktiv begleiten. Eines der wesentlichen Ziele dabei ist es, Ausgrenzung benachteiligter Gruppen zu verhindern und für ein gemeinsames Miteinander Sorge zu tragen. Dank der Förderung des DRIN-Projekts, kann ein(e) Sozialarbeiter(in) finanziert werden, als “Quartier-Manager“ zur Kooperation und Ansprechpartner für die Bedürfnisse der neuen Bewohner.

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Karin Böhmer, Margarete Reinel, Herbert Gunkel und Edda Haack

Am gestrigen Palmsonntag nun, war der offizielle Start für das Projekt von Andreas- und Matthäusgemeinde. Nach dem gut besuchten Gottesdienst, in dem das Gemeindemitglied Herbert Gunkel, unser Ansprechpartner für das DRIN-Projekt, in den Kirchenvorstand nachberufen wurde, konnte sich die Gemeinde über das Projekt informieren. Pfarrerin Margarete Reinel von der DRIN-Projektleitung, Edda Haack vom Diakonischen Werk Darmstadt-Dieburg und Herbert Gunkel berichteten über die Ziele, die Motivation und den Status unseres Projekts. Dabei wurde die sozialpolitische Aufgabe von Kirche und Diakonie betont, die diese Neugestaltung mit sich bringt. Die Offenheit unserer Gemeinde wurde hierbei gelobt und als gute Voraussetzung gewertet, die kommende Aufgabe auch bewältigen zu können. Die erfolgreiche Integration aller zugezogenen Bewohner, gleich welcher Herkunft, Religion oder sozialem Status, kann ein Modell für neu entstehende Nachbarschaft werden. Große Aufgaben, für eine der kleinsten Kirchengemeinden der Stadt. Sie wird durch den Zuzug und an ihren Aufgaben sicherlich wachsen können.

Ich persönlich mag Veränderungen und die Dynamik, die Neues mit sich bringt. Irgendwie aufregender als Stillstand und Stagnation. Doch oft liebe ich auch das Vertraute, die Ruhe im Innehalten und nicht zu vergessen, wo die Basis ist. Auch dies ist wohl, bei aller Neugestaltung, eine der wichtigen Aufgaben unseres Projekts.

Heiko Schock – Öffentlichkeitsarbeit der Andreasgemeinde Darmstadt

DRIN-Grafik: drin-projekt.ekhn.de
Foto: Heiko Schock

Willkommen in der Mustergemeinde

Vielleicht kennen Sie ja die Flyer des Medienhauses der EKHN für Ihren Gemeinde-Web-Baukasten und Ihre Werbung dazu aus der Evangelischen Sonntagszeitung vom 21.2.2016, in der Beilage „Erfolgreiche Gemeindearbeit“ auf Seite III. Man sieht auf diesem Werbematerial den schönen Kirchsaal unserer Andreasgemeinde mit Altar, das Logo unserer Gemeinde und ein Layout einer Webseite, dass auch wegen des verwendeten Bildmaterials, der unseren auf den ersten Blick doch zum verwechseln ähnlich ist.

Ist die Andreasgemeinde Darmstadt die Mustergemeinde des Medienhauses der EKHN?

Nun, unser Internetauftritt wurde aber nicht mit dem Web-Baukasten des Medienhauses erstellt, sondern ist eine individuelle Lösung, die eigens durch meine kreative ehrenamtliche Arbeit für die Andreasgemeinde Darmstadt entwickelt wurde. Ebenso ist das Bildmaterial, das seitens des Medienhauses verwendet wurde, niemals zu diesem Zweck freigegeben, ja noch nicht einmal bei den entsprechenden Urhebern direkt angefragt worden. Offiziell wohl ein „Versehen“, wie dies in einer Klarstellung in der Evangelischen Sonntagszeitung vom 6.3.2016 auf Seite 7 nachzulesen ist. Inoffiziell ist die Andreasgemeinde Darmstadt unfreiwillig dann wohl doch so etwas wie die Mustergemeinde hinter den Musterseiten der Werbekampagne des Medienhauses der EKHN geworden.

Kichsaal+Logo_Andreasgemeinde
Mit diesem Bildern von unserer Webseite wirbt das Medienhaus für seinen Web-Baukasten

Dass die Qualität unserer ehrenamtlichen, insbesondere aber auch der meinen mediengestaltenden Gemeindearbeit, so viel Anerkennung findet, freut mich, trotz des Ärgers und der damit verbundenen schlaflosen Nächte, letzten Endes dann doch noch.

Heiko Schock

Neues Mitglied im Kirchenvorstand

Letzten Oktober wurde Herbert Gunkel noch mit der silbernen Ehrennadel der EKHN geehrt. Seit dem 1. März ehrt Herbert Gunkel uns nun selbst durch seine Mitarbeit als neues Mitglied im Kirchenvorstand der Andreasgemeinde Darmstadt.

Herr Gunkel, der schon bei der Wahl im April 2015 für unseren Kirchenvorstand kandidierte, war bislang Diakoniebeauftragter der Gemeinde, sowie Ansprechpartner für unser Projekt mit „Drin“.

Wir wünschen Herbert Gunkel viel Erfolg und Gottes Segen bei seiner neuen Aufgabe.

Valentinstag

Das Hohelied der Liebe aus dem Alten Testament. So der thematisch harmonische Predigttext zum Valentinstag in der Andreasgemeinde. Und ein Bischof namens Valentin, der trotz Verbots des Kaisers Paare christlich traute, die ansonsten ohne den Segen Ihrer Kirche hätten leben müssen. Die Geschichte des Namensgebers des Valentinstags hörte die Gemeinde zum Auftakt des Abendgottesdienstes.

Vielleicht mag der Segen Gottes für viele heute nicht mehr ganz so wichtig erscheinen. Nicht aber so in dieser Geschichte und an diesem Abend in der Andreasgemeinde. Damals wie heute gibt es Menschen, denen dieser Segen etwas bedeutet. So konnten sich im Anschluss an den Gottesdienst Paare, aber auch alleine gekommene Besucher des Gottesdienstes von unserer Pfarrerin segnen lassen. Die, die wollten blieben, nicht ein einziger ging. So löste sich der Segenskreis zum Ende des Gottesdienstes erst auf, als alle Anwesenden Ihren Segen zugesprochen bekamen. Zuletzt auch noch unsere Pfarrerin nebst Lebensgefährten, die durch die ehemalige Pfarrerin der Andreasgemeinde gesegnet wurden.

Früher hätte ich dies vermutlich nicht verstanden. Heute bin ich froh, diesen besonderen Moment im Kreis der Anwesenden erleben zu dürfen. Am Tag darauf kam eine ältere Frau, die ebenfalls im Gottesdienst gewesen war, extra im Gemeindebüro vorbei, um für die letzte Nacht zu danken. Dank des Segens, was diese Nacht seit längerem wieder eine erholsame gewesen. Schön, wenn Worte dies bewirken können.

Heiko Schock

Waffengewalt lockt mit schnellen Wirkungen

Synode fordert UN-Mandat für Kampf gegen den IS

Frankfurt a.M. 28. November 2015. Die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat
sich am Samstag deutlich gegen Kampfeinsätze deutscher Truppen im Nahen und Mittleren Osten ausgesprochen. Militärische Mittel seien nicht geeignet, den Terror des sogenannten Islamischen Staats erfolgreich zu bekämpfen, heißt es in einer Resolution, die die Synode auf ihrer Tagung in Frankfurt am Main beschloss. Waffengewalt locke zwar mit schnellen Wirkungen. Die Erfahrungen aus Afghanistan und dem Irak hätten aber gezeigt, dass Militäreinsätze „nach der Logik eines Territorialkrieges“ nicht geeignet seien, islamistischen Terror zu bekämpfen, zumal er inzwischen „in den Köpfen vieler Menschen in vielen Ländern entsteht“. Stattdessen hätten die Militäreinsätze „eine ganze Region destabilisiert, viele Millionen Menschen ins Elend gestürzt, den islamistischen Terror gestärkt und die Flüchtlingsbewegungen dieser Tage mit ausgelöst“. Bei den aktuell geplanten Einsätzen fehle zudem ein UN-Mandat.

Freundschaftsdienst für Frankreich

Die Synode betont das freundschaftliche Verhältnis Deutschlands zu Frankreich. Dabei sei „der größere Freundschaftsdienst manchmal nicht das schnelle Mitgehen, sondern das „Stellen kritischer Fragen“. So fragt die Synode: „Ist es wirklich klug, allein auf Stärke zu setzen und Vergeltung zu üben? Ist die rechtliche Grundlage dafür wirklich tragfähig? Sind die Folgen eines erweiterten Kampfeinsatzes genügend bedacht? Sind die Ziele konkret genug definiert und sind sie überhaupt mit diesen Mitteln erreichbar? Werden die Folgen für die Lage in Syrien und im Irak richtig eingeschätzt?“

Sorgsam Maßnahmen prüfen

Die Resolution mit dem Titel „Der Frieden kann nicht mit Waffen gewonnen werden“ spricht sich dafür aus, „sorgsam zu prüfen“, mit welchen Maßnahmen Frieden und Freiheit verteidigt und gesichert werden können. Der Gewalt von Terrorbewegungen sollten Mittel des Völkerrechtes wie ein UN-Mandat und wirtschaftlicher Druck wie Sanktionen, Embargos, das wirksame Unterbinden von Waffenexporten und Geldströmen entgegengestellt werden. Gleichzeitig sprach die Synode ihre Solidarität mit den trauernden Menschen in Frankreich und der Opfer von terroristischen Gewalttaten aus: „Mit ihnen sind wir erschrocken über die Brutalität und Menschenverachtung, mit der so viele ermordet wurden.“

Wortlaut der Resolution
Resolution der Kirchensynode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau
FRIEDEN KANN NICHT MIT WAFFEN GEWONNEN WERDEN

Wir trauern mit vielen Menschen um die Toten der Terror-Anschläge in Paris. Mit ihnen sind wir erschrocken über die Brutalität und Menschenverachtung, mit der so viele ermordet wurden. Wir teilen mit den Menschen in Frankreich den Wunsch, in Frieden und ohne terroristische Bedrohung zu leben. Der sogenannte Islamische Staat will diesen Frieden zerstören.

Für uns ist selbstverständlich, dass sich Deutschland mit seinem befreundeten Nachbarn Frankreich solidarisch zeigt. Manchmal ist der größere Freundschaftsdienst nicht das schnelle Mitgehen, sondern das Stellen kritischer Fragen. Ist es wirklich klug, allein auf Stärke zu setzen und Vergeltung zu üben? Ist die rechtliche Grundlage dafür wirklich tragfähig? Sind die Folgen eines erweiterten Kampfeinsatzes genügend bedacht? Sind die Ziele konkret genug definiert und sind sie überhaupt mit diesen Mitteln erreichbar? Werden die Folgen für die Lage in Syrien und Irak richtig eingeschätzt? In Syrien sterben viele Menschen nicht nur durch IS-Gewalt, sondern auch durch die Waffen der Assad-Armee und verschiedener anderer Milizen.

In den vergangenen Jahren gab es einige Versuche, mit Militäreinsätzen in Afghanistan und im Irak islamistischen Terror zu bekämpfen. Dies ist nicht gelungen. Im Gegenteil, die damit einhergehende Destabilisierung dieser Länder und ihrer Regionen hat viele Millionen Menschen ins Elend gestürzt und den islamistischen Terror gestärkt. Sie hat zudem die Flüchtlingsbewegungen dieser Tage mit ausgelöst.

Heute kann der islamistische Terror keiner einzelnen Region mehr zugeordnet werden. Er kann deshalb auch nicht nach der Logik eines Territorialkrieges überwunden werden. Der Terror entsteht in den Köpfen vieler Menschen in vielen Ländern. Dem muss deshalb an vielen Orten und mit vielen Mitteln entgegen gewirkt werden. Dies ist eine langfristige Herausforderung, die langen Atem, Besonnenheit, Mut zur Geduld und kreative Ideen erfordert. Waffengewalt lockt mit schnellen Wirkungen, doch sie führt nicht zum Erfolg.

Wir treten dafür ein, sorgsam zu prüfen, mit welchen Mitteln Frieden und Freiheit wirklich verteidigt und gesichert werden können. Wir treten dafür ein, die Gewalt jeglicher Terrorbewegungen mit den Mitteln des Völkerrechts (UN-Mandat), der Ökonomie (wirksames Wirtschaftsembargo, Stoppen der Geldströme, dem Stopp von Rüstungsexporten, Sanktionen gegen Unterstützer) und Argumentation zu bekämpfen. Dies ist eine gemeinsame Aufgabe aller friedliebenden Menschen, aller Staaten und aller Religionsgemeinschaften. Als Christinnen und Christen sind wir überzeugt: Frieden kann nicht mit Waffen gewonnen werden.

Frankfurt, 28. November 2015
Verantwortlich: Pfarrer Volker Rahn, Pressesprecher

PM-147-15 Resolution-Militäreinsätze-Final