Grußwort von Karin Böhmer

Liebe Leserinnnen und Leser,

„Fröhlich soll mein Herze springen dieser Zeit, da vor Freud alle Engel singen“.

Ja, es ist wieder soweit: Die Zeit des Advent beginnt und mit ihr diese besondere, verheißungsvolle Geschäftigkeit auf Weihnachten hin. Plätzchen backen, für das Krippenspiel proben, Geschenke aussuchen und einpacken, besondere Gottesdienste, Einladungen hin und her, schlendern über Weihnachtsmärkte. Vieles ist zu tun. Advent ist schließlich eine Zeit der Vorbereitung und Vorfreude auf ein ganz besonderes Fest: die Geburt des Gotteskindes von der „mit lauten Chören alle Luft laute ruft“, wie Paul Gerhard in seinem Lied
weiter dichtet.

Manchmal können wir im Advent alles zu unserer Zufriedenheit vorbereiten, so dass wir ganz entspannt Weihnachten feiern können. Es kann aber auch geschehen, dass wir uns total erledigt fühlen von all
den Dingen, die es zu bedenken gab. Dann ist es gut, sich zu erinnern:
bei allem, was wir gestalten und planen – machen können wir Weihnachten nicht. Es geschieht einfach. Und das ist vielleicht das allergrößte Geschenk, das uns in diesen Tagen gemacht wird. Von Gott. Weihnachten geschieht.

Geschehen lassen – unsere große Stärke ist das nicht. Dabei öffnet sich gerade nach den Weihnachtsfeiertagen ein wunderbarer Zeitraum genau dafür: die Tage „zwischen den Jahren“.

Eine ganz besondere Zeit. Zählen wir das Jahr nach Mondmonaten, entsteht am Ende des Jahres ein Überhang von dreizehn Nächten und Tagen als Differenz zum Sonnenjahr. Diese Nächte zwischen Weihnachten und Epiphanias werden auch Raunächte (Jörg Zink „Heilige Nächte“) genannt.

In dieser Zeit darf Weihnachten nachklingen, in uns ankommen. Auch mit dem, was an Weihnachten nicht gelungen ist, was ausgeblieben ist und nicht erfüllt wurde. Es geht ums sein lassen, ums nichts tun müssen. Ein „heiliges Ausruhen“ hat es eine Freundin von mir einmal genannt. Was ist, wird in Gottes Hände übergeben. Dort bleibt es, dort wird es gewandelt, und von dort wird kommen, was das neue Jahr für uns bereit hält, auch neue Kräfte und neue Ideen.

Ich wünsche Ihnen und Euch eine gesegnete Zeit, im Vorbereiten, Feiern und Geschehen lassen

Ihre Pfarrerin
Karin Böhmer

Klausurtagung des Kirchenvorstands am 4. und 5. November 2017

Zur Klausurtagung am ersten Wochenende im November erscheinen die Mitglieder des Kirchenvorstands der Andreasgemeinde komplett. Ein guter Anfang! Die Stimmung zu Beginn bewegt sich in der Bandbreite von „unsicher“ bis „erwartungsvoll“.

Die 1. Einheit: Thema Abendmahl.
Was gibt es da für Erfahrungen aus früheren Zeiten: düstere Stimmung, Knien auf Bänken, Kampf mit am Gaumen klebenden Oblaten… Da hat sich doch einiges geändert. Heute gibt es glücklicherweise gute Erfahrungen mit dem Abendmahl: Leichtigkeit, Gemeinschaft, Stärkung…!
Die Arbeit an den Texten im Neuen Testament zeigt: Die Erzählungen vom letzten Mahl Jesu am Abend vor seiner Kreuzigung mit seinen Jüngerinnen und Jüngern weichen voneinander ab. Auch die ersten Christengemeinden gestalteten die Mahlfeier unterschiedlich. Im Zuge des Reformationsjubiläums befasst sich der KV natürlich auch mit den unterschiedlichen Auffassungen der katholischen Kirche, der Lutheraner und Reformierten. Und wir sind dankbar, dass hier unter evangelischen Christen die Streitpunkte weitgehend überwunden sind. Dankbar auch
für den Reichtum der Formen, das Abendmahl feiern zu können. So gibt es auch Erfahrungen von Festlichkeit, Verbindung mit dem Leben Jesu (nicht nur mit seinem Tod), Dank für die Gaben Gottes.

Der nächste Schwerpunkt unserer Tagung bildet das „Haus“ unserer Gemeinde, konkret das Gebäude, im übertragenen Sinn auch die Gemeinde. Wir werden uns der Schätze dieses „Hauses“ bewusst und fragen uns, was es noch „braucht“, um zu „gedeihen“. Wir packen zwei Themen konkret an und sind am Ende stolz auf unsere Ergebnisse.

Am Sonntag bildet der von allen gestaltete Gottesdienst – natürlich mit Abendmahl! – den Mittelpunkt. Mutig stellen wir uns dem schwierigen Predigttext des heutigen Sonntags aus dem Evangelium von Matthäus,
Kap. 10, 34ff: „Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert…“.
Der Blick auf wichtige Termine im kommenden Jahr (50 Jahre Kinderhaus! 60 Jahre Andreasgemeinde!) beschließt die Tagesordnung.
Und am Ende bleibt die Dankbarkeit für gute Gespräche, unerwartete Erkenntnisse, neue Anregungen, inneres Berührt Sein, die vertrauensvolle Atmosphäre, Zufriedenheit mit dem Erreichten!
Sie haben Lust auf „mehr“? Kommen Sie zur Gemeindeversammlung am 4.2.2018!

Hannelore Schulz, Kirchenvorstand

Grußwort von Karin Böhmer

Liebe Leserinnnen und Leser,

Wo dein Herz ist, da ist auch dein Schatz. Oder: Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. So sagt Jesus in seiner sogenannten Bergpredigt, aufgeschrieben im Matthäus-Evangelium (6,19-21).
Jesus fragt: Woran hängt dein Herz? Was oder wer ist dir wichtig in deinem Leben? Wonach sehnst du dich? Das kann sehr verschieden sein.
Es ist wichtig und spannend immer mal wieder darüber nachzusinnen:
Woran hängt mein Herz? Was ist es für Sie, für Dich im Moment?

Jetzt im Herbst und besonders am Erntedankfest ist die Zeit reif genau dafür: Uns die Schätze, die wir in unserem Leben haben und genießen können, mal ins Bewusstsein rufen, einsammeln, ernten – so wie wir reife Äpfel vom Baum pflücken oder Kastanien auflesen – und danke sagen!
Danke sagen und wahrnehmen, welchen Reichtum wir in unserem Leben haben.
Jeder Apfel, jede Karotte, jede Blume in dem Erntedank – das Mandala auf dem umseitigen Titelblatt, mag für etwas stehen, was wir erfahren und erlebt haben im vergangenen Jahr, wofür wir dankbar sind.

Und wenn uns beim Erinnern und Sammeln auch das vor Augen steht, was nicht so gelungen, vielleicht sogar schwer und schmerzhaft war:
Gott ist nicht nur da zu finden, wo unser Leben glücklich, erfolgreich und stolperfrei ist, sondern auch da, wo „der Wurm drin ist“. Gott wickelt seinen Segen zart und kunstfertig ein und bringt ihn in unser Feld und Brot, in unser ganzes Leben, mit allem, was dazu gehört. So werden wir mit dem schönen Lied „Wir pflügen und wir streuen“ auch in diesem Erntedank-Familiengottesdienst wieder singen. „Gottes Barmherzigkeit und Liebe hat kein Ende, sie ist alle morgen neu und Gottes Treue ist groß!“

Das ist der himmlische, der unvergängliche Schatz auf den wir immer bauen können.
Mit dem Herzen können wir ihn finden.

Herbstliche Grüße,
Ihre Pfarrerin

Karin Böhmer

Der Bibel Marathon in der Petrusgemeinde

Tohuwabohu war das erste Wort aus der Schriftlesung, das mir vertraut vorkam. Luther übersetzte das hebräische Wort mit wüst und leer und beschrieb so den Zustand der Erde ganz am Anfang. Die ersten Verse der Bibel wurden zum Auftakt des Bibelmarathons im hebräischer Sprache vorgetragen. Das Intro sozusagen im Original.

Die ganze Bibel lesen. Vom Anfang bis zum Ende. Ohne Pause. Der Bibelmarathon der Petrusgemeinde in der Bessunger Kirche im Jahr des Lutherjubiläums 2017. Eine bemerkenswerte organisatorische Leistung, die Menge an Freiwilligen zu koordinieren, rund um die Uhr Ansprechpartner zu finden, die im Notfall auch dann eben selbst vorlesen, damit keine Unterbrechungen und somit der Zeitplan durcheinander kommt.

In der Bessunger Kirche herrscht Stille, bis auf die Lesenden ist kaum etwas zu hören. Nur der Wechsel der Vortragenden und wechselnde Besucher unterbrechen die Stille ein wenig. Die Kirchenglocke, die jede Viertel Stunde ganz dezent zu hören ist, markiert bei den meisten Lesenden die Halbzeit ihres Beitrags und beim zweiten läuten markiert sie den Wechsel zu einem weiteren Vortragenden. Mal wird im stehen, mal im sitzen vorgelesen, mal wird das Lesepult barrierefrei auf die Ebene der Sitzreihen gestellt und zur Eröffung durfte ich die Geschichte der Sintflut sogar in Gebärdensprache erleben.

Einige Bibelstellen habe ich selbst live erlebt. So sah ich die Eröffnung mit Daniel Neumann, Ulrike Schmidt-Hesse, Charly Landzettel, Stefan Hucke und mehreren anderen. Nachmittags sah ich den Wechsel des Vortrags von Frieder Haug zu Karin Böhmer und deren Lesung. Mitten in der ersten Nacht, erlebte ich das Ende des vierten Buch Mose von Fritz Viertel, Beiträge von Ingrid Schmidt-Viertel, Silke Magel und den Wechsel zu Britta Miekley. Jeder anders in seinem Vortrag, jeder einzigartig.

Normalerweise berichte ich eher über Veranstaltungen unserer Gemeinde oder mache Fotos von ihnen. Bei der Eröffnungsveranstaltung entschied ich mich, doch noch als Lesender an dieser Veranstaltung teilzunehmen und so einen kleinen Teil dazu beizutragen und nicht nur Beobachter zu bleiben. So entschied ich mich auch dafür, am Abend der Eröffnung, unsere Sitzung des Kirchenvorstands in der Andreasgemeinde mit dem selben Text einzustimmen, der zeitgleich in der Bessunger Kirche vorgelesen werden sollte. So wurde die Veranstaltung auch noch in unserer Sitzung erlebbar.

Am Ende bleibt die Bibel aber ein Buch, das nicht vollständig von einer einzelnen Person in einer solch kurzen Zeit zu erfassen ist. Diese Veranstaltung aber ist wie ein lebendig gewordenes Buch: jeder Besuch in der Kirche ist wie ein Aufschlagen der Bibel, mal zufällig, mal sucht man bewusst Textstellen oder auch Lesende aus. Man wohnt der Versanstaltung bei, hört eine Weile zu und verläßt sie dann wieder. Als würde man die Bibel zuklappen und wieder zur Seite legen.

Noch bis Sonntag Abend, dem 25.6.2017, ist diese lebendig gewordene Bibel in der Bessunger Kirche zu erleben – zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Heiko Schock

Grußwort von Karin Böhmer

Liebe Leserinnnen und Leser,

Auf brechen ist das Thema, das wir in diesem Sommer in der Andreasgemeinde besonders in den Blick nehmen wollen. Wenn wir auf brechen, nehmen wir Neues in den Blick, lassen Gewohntes zurück und öffnen uns für Veränderungen.

So, wie die drei  Frauen der Reformation, die wir in der diesjährigen Reihe „Sommergottesdienste im Innenhof“ zu Wort kommen lassen wollen: Katharina Luther, Argula von Grumbach und Katharina Zell. Ihre Geschichten erzählen von den neuen Horizonten, die sich auftun, wenn wir es wagen, neue Wege auszuprobieren. Sie  zeigen aber auch die Ambivalenzen und Probleme,  die zu bewältigen sind, wenn wir vertraute Pfade verlassen. Manchmal braucht es all unseren Mut, um einer neuen Einsicht zu folgen und den ersten Schritt in ein neues Leben zu tun.  Und nicht immer geschehen Auf brüche freiwillig. Nach wie vor erleben wir, wie sich weltweit Menschen auf den Weg machen, weil sie, bedroht von Krieg, Gewalt, Hunger oder Klimaveränderung  einfach überleben wollen. Sie suchen ein anderes Leben, Schutz und Gerechtigkeit.

„Türen öffnen – neue Wege gehen“ – unter diesem Motto nehmen wir die unterschiedlichen Dimensionen von Auf brechen bei unserem diesjährigen Sommerfest in den Blick. Denn die Andreasgemeinde hat an vielen Stellen neue Wege eingeschlagen: Sie hat sich mit ihrem Willkommenstreff geöffnet für geflüchtete Menschen. Sie macht sich mit dem Umweltmanagement „Grüner Hahn“ stark für Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Sie weitet ihren Blick in den Stadtteil hinein und fördert im DRIN-Projekt nachbarschaftliches Engagement in der neu entstehenden Lincoln-Siedlung.

„Ich will euch segnen und ihr werdet Segen sein“, diesen Zuspruch hören Abraham und Sara als sie alles hinter sich lassen und auf Gottes Aufforderung hin aufbrechen in ein neues Land. Gott schenke auch uns Vertrauen für unser Aufbrechen und Mut zu all den Veränderungen, die notwendig sind, damit Menschen miteinander gut leben können.

Einen gesegneten Sommer wünscht
Ihre Pfarrerin

Karin Böhmer

Eine feste Burg ist unser Gott

Familienfreizeit 2017

Fast angekommen am Ziel entdeckt man sie, die Burg Breuberg im Odenwald. Die Serpentinen hinauf, endet der Weg in einer beängstigend steilen Auffahrt, die in ein unpassierbar erscheinendes Burgtor mündet, dann ist der Zufluchtsort für das lange Wochenende um den ersten Mai erreicht.

Ein wenig erinnerte die Menge der mitgebrachten Materialien, Spielgeräte und Proviant an einen kleinen Belagerungszustand, den die fast 100 anreisenden Menschen aus Familien der Matthäus- und Andreasgemeinde über die Burg brachten. Am ersten Abend entwickelten und bastelten die Familien, fast wie zu Ritterszeiten, ihre Wappen.

Zu dem Thema „Eine Feste Burg ist unser Gott“ beschäftigten sich Kinder, Frauen und Männer in ihren Gruppen mit Texten von Luther, aber auch mit der Noah Geschichte. Was bedeutet Zuflucht für uns, wo finden wir Halt und Schutz, waren die zentralen Fragen, die diskutiert wurden.

Abwechslung, Ausgleich und Austausch verschaffte der Gemeinschaft eine Wanderung, ein Nähangebot und eine Ralley für Kinder. Interessierten wurde die Geschichte der Burg bei einer kurzweiligen Führung nahegelegt. Fast wie zu Ritterszeiten gab es noch ein Turnier, wenngleich weniger zu Pferde als eher mit dem Fußball. Abends wurden am Lagerfeuer Lieder gesungen, Geschichten erzählt und Stockbrot geröstet.

Am Ende sind alle froh, die Enge des Burgtors mit dem Auto zum zweiten mal heil passiert zu haben und nach abschließendem Gottesdienst und Reisesegen wieder gestärkt in den Alltag zurückzukehren.

Text: Ute Bucholski & Heiko Schock
Titelbild; Sven Hinderlich
Gruppenfoto: Heiko Schock
Burgfotos: Axel Hagedorn


Grußwort von Karin Böhmer

Liebe Leserinnnen und Leser,

die ersten Schneeglöckchen recken ihre weißen Köpfe aus der dunklen Erde und bald werden Krokusse und Osterglocken sich ihren Weg ans Licht bahnen. Die Sonne steigt höher und höher, unsere fünf Pfarrhaus-Zwerghühner legen Ei um Ei. Kein Zweifel: Der Frühling kommt.

Auferstehung überall.

Und doch fragen sich nicht nur die Konfirmandinnen und Konfirmanden bei ihrer Beschäftigung mit dem Glaubensbekenntnis: Auferstehung von den Toten? Wie soll das gehen? Und dann auch noch daran glauben? Auch Kurt Marti, Schweizer Theologe und Dichter, erst kürzlich am 11. Februar 2017 96-jährig in Bern verstorben, fragt in einem seiner Gedichte:

Ihr fragt, wie ist die Auferstehung der Toten?
  Ich weiß es nicht.
Ihr fragt, wann ist die Auferstehung der Toten?
  Ich weiß es nicht.
Ihr fragt, gibt es eine Auferstehung der Toten?
  Ich weiß es nicht.
Ihr fragt, gibt es keine Auferstehung der Toten?
  Ich weiß es nicht.

Auch ich habe keine wissenschaftliche Erklärung geschweige denn irgendwelche Beweise. Und dennoch freue ich mich schon jetzt auf den Gruß an Ostern im Gottesdienst: „Christus ist auferstanden!“ „Er ist wahrhaftig auferstanden!“ Ja! Dieser frohen Botschaft will ich mich anvertrauen: Das Leben ist stärker als der Tod. Sie schenkt mir Kraft, in Zeiten von Angst, Ohnmacht und Resignation. Und so beendet auch Kurt Marti sein Gedicht:

Ich weiß nur, wonach ihr nicht fragt:
  Die Auferstehung derer, die leben.
Ich weiß nur, wozu Er uns ruft:
  Zur Auferstehung heute und jetzt!

Herzlich grüßt Ihre Pfarrerin

Karin Böhmer