Sonntagsgruß

Sonntagsgruß zum Sonntag Lätare 22. März 2020

Liebe Gemeinde, liebe Leserinnen und Leser,

Lätare! Freue dich!“,

so heißt der heutige Sonntag, mit dem eine neue Woche beginnt. Eine neue Woche im Ausnahmezustand, die wieder neue Nachrichten und Herausforderungen mit sich bringen wird. Und ich soll mich freuen?

Gleichzeitig spüre ich an mir selbst: Freude tut gut. Gibt Kraft, das Nötige zu tun. Hält die Ängste im Zaum. Schenkt Zuversicht in aller Unsicherheit.

Freue dich!“

Der Name dieses Sonntags geht zurück auf Worte aus dem Jesajabuch. Dort heißt es:

Freut euch mit Jerusalem und jauchzt alle, die ihr sie liebt!
Seid fröhlich mit ihr, alle, die ihr um sie trauert!

Wie eine Mutter tröstet, so will ich euch trösten, und an Jerusalem sollt ihr getröstet sein.
Ihr werdet es sehen und euer Herz wird sich freuen, und eure Knochen sollen sprossen wie junges Gras.“
(Jesaja 66, 10.13.14, Bibel in gerechter Sprache)

Freuet euch und jauchzt!“. Mit dem Sonntag Lätare sind wir in der Mitte der Passionszeit angekommen und dieser Sonntag setzt einen Kontrapunkt. Er wird deshalb auch „Kleine Ostern“ genannt. Mitten in der Passionszeit, mitten in der Zeit, die wir gerade durchleben, hat er einen fröhlichen und tröstlichen Charakter. Seine liturgische Farbe ist Rosa. Ungewöhnlich und einleuchtend.

Die Sonntage in der Passionszeit haben die Farbe Lila. Ostern hat die Farbe Weiß. Mischen wir etwas Weiß in das dunkle Violett wird es rosa. Wie ein kleines Licht, das die größte Finsternis hell macht.

Ja, wir haben Angst.
Ja, es ist eine schwere Zeit und wir wissen nicht, wie lange sie anhält.
Und: Gott ist für uns da und tröstet, wie eine Mutter tröstet.
Das schenkt Kraft, Liebe und Besonnenheit. Jeden neuen Tag.

Das Licht von Ostern leuchtet uns entgegen.
In die Freude darüber lädt uns dieser Sonntag ein.

Ich wünsche Ihnen und Euch allen eine behütete und gesegnete Woche,
im Abstand halten, verbunden bleiben und füreinander da sein.

Ihre/Eure Pfarrerin Karin Böhmer

Wie eine Mutter tröstet

Gebet mit Bezug zu Jesaja 66,13 (Gott sagt: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“) 19. März 2020

Lass dir erzählen, Gott, wie es uns geht.
In diesen Tagen.
Wo alles so anders ist.
So durcheinander.
Wo die Sonne lacht
und wir die Freude vergessen.
Wo die Natur neues Leben hervorbringt
und wir in Ängsten sind.

Tröste uns, wie eine Mutter tröstet.

Lass dir erzählen, Gott, wie es deinen Menschen geht.
Den Alten in den Pflegeheimen,
die wir nicht mehr besuchen dürfen wie sonst.
Und den Kranken,
die meist ohne ihre Lieben in den Krankenhäusern sind.
Allen Menschen, die in ihren Wohnungen bleiben müssen
und die Einsamkeit fürchten.

Tröste sie, wie eine Mutter tröstet.

Lass dir erzählen, Gott, wie es deinen Menschen geht.
Den Kindern, die die Sorge der Erwachsenen spüren.
Den Jugendlichen, für die Ruhe halten so schwer ist.
Den Eltern, die jetzt so viele Lösungen finden müssen.
Allen Menschen, die um ihre Existenz fürchten.

Tröste sie, wie eine Mutter tröstet.

Lass dir erzählen, Gott, wie es deinen Menschen geht.
Den Menschen, die sowieso schon am Ende ihrer Kräfte sind.
In den Flüchtlingslagern in Griechenland und anderswo.
In den griechisch-türkischen Grenzgebieten.
Und lass dir erzählen von den vielen Menschen,
dort und hier,
die helfen und nicht müde werden.

Tröste sie, wie eine Mutter tröstet.

Gott, schütte sanft deinen Trost über uns aus.
Der uns umhüllt.
Und Segen dazu.
Der uns immun macht
gegen die Panik.
Sage zu unserem ängstlichen Herzen:
Beruhige dich.“
Sprich zu unserer verzagten Seele:
Ja, die Gefahr ist da. Aber ich bin bei dir.“

Und noch dazu und allem zum Trotz:
Gib uns die Freude wieder.
An der Sonne.
An der aufbrechenden Natur.
An den Menschen, die wir lieben.
An dir, du Gott des Lebens.
Damit wir mutig durch diese Zeit gehen.

Doris Joachim, Referentin für Gottesdienst im Zentrum Verkündigung der EKHN
www.zentrum-verkuendigung.de
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