Grußwort von Karin Böhmer

Liebe Leserinnen und Leser,

die leuchtend rote Mohnblume, die auf dem Titelbild zu sehen ist, wie hat sie es nur geschafft, zu wachsen? Sich trotz des steinigen, festen Bodens zu entfalten, klein und zart wie sie ist? Ein wunderschönes Motiv, das Heiko Schock hier gefunden und fotografiert hat. Ein Mut machender Anblick: Das Leben behauptet sich, lässt sich nicht unterkriegen, verletzlich, zart und trotzig zugleich.

„Sieh her, da bin ich!“ Diese eine kleine Blume mitten in der Steinwüste – sie macht den Unterschied und erzählt davon, dass das Unmögliche möglich wird.

Eigentlich Unmögliches hat auch Greta Thunberg, 16 Jahre, Schülerin in Schweden angestoßen. Sie will nicht länger hinnehmen, wie die aktuelle Klimapolitik mit der Zukunft (nicht nur) ihrer Generation spielt. Seit einiger Zeit demonstriert sie freitags vor dem Parlament für echten Klimaschutz, anstatt in die Schule zu gehen. Und ist selbst ganz überrascht, wie viele andere junge Menschen weltweit sich ihrem Anliegen anschließen. „Warum soll ich für eine Zukunft studieren, die es vielleicht bald nicht mehr geben wird, weil niemand etwas tut, um sie zu retten?“, fragt sie eindringlich und bewegt damit etwas. Und wie auch immer wir zu dieser Form des „Klimastreiks“ stehen – ihre Frage finde ich berechtigt.

Diese „Fridays for Future“, sie erinnern mich an das, wofür ich damals in Gretas Alter, in der Zeit des sog. „Kalten Krieges“ auf die Straße gegangen bin: „Frieden schaffen ohne Waffen“. Und daran, dass ich fest überzeugt davon war, das „wir“ einen Unterschied machen und die Welt ändern können. Dass wir etwas tun können für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Jetzt. Sofort. Das Schöne ist: Ich stelle beim Nachdenken fest, dass ich daran immer noch glaube. Ich habe lediglich durch Erfahrung gelernt, dass es auch einen langen Atem braucht. Und doch merke ich: Die drängende Ungeduld, die hinter den „Fridays for Future“ spürbar wird, hat meine Sympathie und weckt auch in mir wieder etwas auf.

Wie heißt es beim Propheten Jesaja 43,19: „Gott spricht: Seht, ich will ein Neues schaffen! Jetzt wächst es auf. Erkennt ihr ́s denn nicht?“ Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Zeit im Frühling, ermutigende Zeichen und Begegnungen hier und da – auf Ostern hin.

Ihre Pfarrerin
Karin Böhmer