Die Geschichte von der Schnecke und dem Segen

Evangelische Andreasgemeinde Darmstadt

Predigt im Familiengottesdienst zum Sommerfest „Glück&Segen“ am 13. Juni 2014

Pfarrerin Karin Böhmer

 

Liebe Gemeinde,

Wir haben heute einen besonderen Gast hier!

Wo wohl diese wunderbare Schnecke herkommt?

Aus dem Kinderhaus…

Sie sieht ausgesprochen glücklich und zufrieden aus….

Ich habe sie gefragt, warum und sie hat es mir erzählt.

Wollt ihr es hören?

Die Geschichte von der Schnecke und dem Segen

Neulich hatte die Schnecke mal Lust, die Gegend rund um das Kinderhaus zu erkunden.

Und zieht im Schneckentempo los …. Riecht die frische Luft… sieht die Gräser und Blumen …mmhhh…lecker…

Auf einmal sieht sie etwas auf dem Boden, so einen runden Aufkleber und da steht drauf: „Du bist ein Segen“

Ich soll ein Segen sein?“ wundert sie sich. Das will ich doch gleich mal weitererzählen.

Sie kriecht zum nächsten Beet und trifft einen Regenwurm:

Schau mal, hier steht ich bin ein Segen!“, sagt die Schnecke freudig.

Du, ein Segen? Das kann nicht sein. Segen ist doch etwas Gutes. Was bewirkst du denn schon Gutes? Alle ärgern sich über dich im Frühling, weil du die jungen grünen Triebe wegfrisst und nie satt wirst“… Ich, der Regenwurm, ich bin ein Segen! Ich lockere die Erde, so dass alles gut wachsen und gedeihen kann“

Die Schnecke senkt den Kopf und kriecht weiter. „Das war ja klar. So ein Blödsinn. Ich und ein Segen. Wer hat sich das denn ausgedacht.“ Aber so ganz aufgeben will sie noch nicht…Da trifft sie den Hund und zeigt ihm den Aufkleber.

Schau mal, was hier steht, ich bin ein Segen. Toll, oder?“

Du? Ein Segen? Ein Segen sein bedeutet doch, dass du für andere wichtig und besonders bist und sie sich freuen, dass du da bist. Aber du, du bist so un-glaub-lich langsam. Mit dir kann man ja noch nicht mal spazieren gehen. Ne ne. Ich bin ein Segen. Ich bringe die Menschen dazu, sich wenigstens ab und zu mal zu bewegen. Außerdem können sie mich streicheln. Das will bei dir echt niemand, so schleimig wie du bist“.

Jetzt ist die Schnecke echt bedient. Eine Träne läuft ihr übers Gesicht und schwupp – zieht sie sich in ihr Schneckenhaus zurück. „Hier bleib ich jetzt für immer“, schnieft sie. „Mich mag eh niemand“.

Plötzlich horcht sie auf.

Da ist ein Kind und ruft „Schaut mal, was für ein wunderschönes Schneckenhaus!“ Plötzlich merkt die Schnecke, wie eine Hand sie vorsichtig berührt und ihr Haus ein wenig dreht.

Eine erwachsene Stimme sagt: „Das ist nicht nur ein Schneckenhaus – da wohnt noch eine Schnecke drin, also lass sie am besten da wo sie ist“.

Ok, aber wir bleiben noch ein bisschen – vielleicht kommt die Schnecke ja mal aus ihrem Haus…“.

Ja, gerne. Ich setz mich solange hier auf die Bank“.

O guck mal, hier ist liegt was neben der Schnecke“, ruft das Kind, „liest du mal vor?“

Du bist ein Segen, steht hier“.

Was ist das, Segen?“ , fragt das Kind.

Was du immer alles wissen willst. Lass mich mal überlegen…also: Segen ist für mich eine gute Kraft. Sie wird uns geschenkt. Von Gott. Gott sagt: ich bin bei dir und mit dir. Gottes Segen begleitet uns jeden Tag und jede Nacht immer und überall.“

Mich auch?“

Ja klar“

Aber wenn die Kraft von Gott kommt, warum bin ich dann ein Segen?“, wundert sich das Kind.

Na ja – im Segen schenkt Gott uns ganz viel Liebe und sagt: wie schön, dass es dich gibt.“

Ich bin ein Segen, weil Gott mich liebhat?“

Ja genau“.

Hmmh“. Das Kind denkt nach „Kann ich denn auch für dich ein Segen sein?“

Das bist du jeden Tag– ich freu mich, dass Du auf der Welt bist!“

Und sag mal“

Ja?“ „Da auf dem Aufkleber sind so Regentropfen – oben und unten – was bedeutet das denn?“ , will das Kind noch wissen.

Das ist ne gute Frage….vielleicht heißt das: wie der Regen vom Himmel kommt, so kommt Gottes Segen zu uns und durch uns fließt er dann weiter zu anderen Menschen“.

wie das denn?“

ich glaube, einfach dadurch, dass wir anderen Menschen etwas Gutes tun und ihnen damit zeigen: schön, dass du da bist!“

Hm. Dann ist das wie… hm… ich ess´ doch so gern Kirschen…. Dann ist das wie eine riesen Schüssel leckere rote Kirschen, die ich bekomme und anderen davon abgebe, damit sie auch schmecken, wie lecker Kirschen sind?“

Ja, so lässt sich das auch beschreiben. In der Bibel heißt das glaube ich: Du bist von Gott gesegnet und wirst ein Segen sein“.

Uhund….“

Na, was denn noch?“

Das Kind schaut auf die Schnecke: „Können Schnecken auch ein Segen sein?“

Ich finde schon! Die Schnecke erinnert uns nämlich an Gottes Segen“

Wie das denn?“

Schau mal, die Schnecke hat ihr Haus immer dabei. Das umgibt und beschützt sie. Und so ist das auch mit Gottes Segen – der Segen ist immer bei uns, so wie das Schneckenhaus bei der Schnecke“

Dann ist die Schnecke ein Segen, weil sie uns auf ihre Art zeigt, wie das mit Gottes Segen ist“, sagt das Kind.

Genau“

Da schau mal“, ruft plötzlich das Kind aufgeregt, „die Schnecke kommt aus ihrem Haus!“

Die Schnecke hat diesem Gespräch mit großer Aufmerksamkeit zugehört. Und staunt. Und freut sich. (jetzt wisst ihr auch, warum sie so glücklich ist!). Mit stolzgeschwellter Brust kriecht sie los. Langsam, damit alle sie sehen. Denn sie weiß jetzt: sie hat eine wichtige Aufgabe: alle Menschen, groß und klein, daran zu erinnern, dass Gott sagt: Ich bin bei dir. Du bist ein Segen. Und du wirst ein Segen sein.

Amen.