Archiv der Kategorie: Allgemein

Grußwort von Karin Böhmer

Liebe Leserinnnen und Leser,

Auf brechen ist das Thema, das wir in diesem Sommer in der Andreasgemeinde besonders in den Blick nehmen wollen. Wenn wir auf brechen, nehmen wir Neues in den Blick, lassen Gewohntes zurück und öffnen uns für Veränderungen.

So, wie die drei  Frauen der Reformation, die wir in der diesjährigen Reihe „Sommergottesdienste im Innenhof“ zu Wort kommen lassen wollen: Katharina Luther, Argula von Grumbach und Katharina Zell. Ihre Geschichten erzählen von den neuen Horizonten, die sich auftun, wenn wir es wagen, neue Wege auszuprobieren. Sie  zeigen aber auch die Ambivalenzen und Probleme,  die zu bewältigen sind, wenn wir vertraute Pfade verlassen. Manchmal braucht es all unseren Mut, um einer neuen Einsicht zu folgen und den ersten Schritt in ein neues Leben zu tun.  Und nicht immer geschehen Auf brüche freiwillig. Nach wie vor erleben wir, wie sich weltweit Menschen auf den Weg machen, weil sie, bedroht von Krieg, Gewalt, Hunger oder Klimaveränderung  einfach überleben wollen. Sie suchen ein anderes Leben, Schutz und Gerechtigkeit.

„Türen öffnen – neue Wege gehen“ – unter diesem Motto nehmen wir die unterschiedlichen Dimensionen von Auf brechen bei unserem diesjährigen Sommerfest in den Blick. Denn die Andreasgemeinde hat an vielen Stellen neue Wege eingeschlagen: Sie hat sich mit ihrem Willkommenstreff geöffnet für geflüchtete Menschen. Sie macht sich mit dem Umweltmanagement „Grüner Hahn“ stark für Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Sie weitet ihren Blick in den Stadtteil hinein und fördert im DRIN-Projekt nachbarschaftliches Engagement in der neu entstehenden Lincoln-Siedlung.

„Ich will euch segnen und ihr werdet Segen sein“, diesen Zuspruch hören Abraham und Sara als sie alles hinter sich lassen und auf Gottes Aufforderung hin aufbrechen in ein neues Land. Gott schenke auch uns Vertrauen für unser Aufbrechen und Mut zu all den Veränderungen, die notwendig sind, damit Menschen miteinander gut leben können.

Einen gesegneten Sommer wünscht
Ihre Pfarrerin

Karin Böhmer

Grußwort von Karin Böhmer

Liebe Leserinnnen und Leser,

die ersten Schneeglöckchen recken ihre weißen Köpfe aus der dunklen Erde und bald werden Krokusse und Osterglocken sich ihren Weg ans Licht bahnen. Die Sonne steigt höher und höher, unsere fünf Pfarrhaus-Zwerghühner legen Ei um Ei. Kein Zweifel: Der Frühling kommt.

Auferstehung überall.

Und doch fragen sich nicht nur die Konfirmandinnen und Konfirmanden bei ihrer Beschäftigung mit dem Glaubensbekenntnis: Auferstehung von den Toten? Wie soll das gehen? Und dann auch noch daran glauben? Auch Kurt Marti, Schweizer Theologe und Dichter, erst kürzlich am 11. Februar 2017 96-jährig in Bern verstorben, fragt in einem seiner Gedichte:

Ihr fragt, wie ist die Auferstehung der Toten?
  Ich weiß es nicht.
Ihr fragt, wann ist die Auferstehung der Toten?
  Ich weiß es nicht.
Ihr fragt, gibt es eine Auferstehung der Toten?
  Ich weiß es nicht.
Ihr fragt, gibt es keine Auferstehung der Toten?
  Ich weiß es nicht.

Auch ich habe keine wissenschaftliche Erklärung geschweige denn irgendwelche Beweise. Und dennoch freue ich mich schon jetzt auf den Gruß an Ostern im Gottesdienst: „Christus ist auferstanden!“ „Er ist wahrhaftig auferstanden!“ Ja! Dieser frohen Botschaft will ich mich anvertrauen: Das Leben ist stärker als der Tod. Sie schenkt mir Kraft, in Zeiten von Angst, Ohnmacht und Resignation. Und so beendet auch Kurt Marti sein Gedicht:

Ich weiß nur, wonach ihr nicht fragt:
  Die Auferstehung derer, die leben.
Ich weiß nur, wozu Er uns ruft:
  Zur Auferstehung heute und jetzt!

Herzlich grüßt Ihre Pfarrerin

Karin Böhmer

Grußwort von Karin Böhmer

Liebe Leserinnnen und Leser,

Auf der Suche nach dem Weihnachtsstern, den ich in der Advent- und Weihnachtszeit so gerne
ans Fenster hänge, fällt mir ein kleiner Stempel zum Verschönern von Weihnachtspost in die Hände.

Jauchzet

ist darauf zu lesen. Was für ein schönes Wort! Benutzen wir es eigentlich noch im alltäglichen Sprechen, frage ich mich und probiere den Stempel sofort aus. Lese oder höre ich „jauchzen“, denke ich sofort an Kinder, an ausgelassene Freude, an Spiel, Spaß und Begeisterung. Wann war ich das letzte Mal „ganz aus dem Häuschen“ und habe mein Entzücken lauthals zum Ausdruck gebracht? Am ehesten noch beim Tanzen oder Singen.

Jauchzet

Mit Jauchzen und Frohlocken beginnt auch das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach. Die Freude, der Jubel über die Geburt Gottes will in die Welt hinaus. Mit Pauken und Trompeten.
„Wohl dem Volk, das jauchzen kann“, so Psalm 89,16 in der Bibel. Wie wahr. Auch bei Bach wird es nach dem Jauchzen erstmal stiller und der Chor stimmt sehnsüchtig die Frage an „Wie soll ich dich empfangen?“.

Jauchzet

Bei mir daheim hängen jetzt hier und da kleine Zettel. Im Bad am Spiegel. Im Büro am PC. Erinnern mich mit einem Wort: Du hast allen Grund, dich zu freuen. Die Liebe ist unterwegs. Sie hat es schwer. Aber sie hört nicht auf um Einlass zu bitten. Bei mir. Bei dir. In der Welt.

Ich wünsche Ihnen und euch eine gesegnete Zeit.

Karin Böhmer

Anmeldung zu den Bessunger Ferienspielen 2016

„Pippi Langstrumpf“ und „Robin Hood“ nach den Erzählungen von Astrid Lindgren und Howard Pyle

Von Montag, den 18.07.2016, bis Freitag, den 22.07.2016, und von Montag, den 25.072016, bis Freitag, den 29.07.2016, jeweils 9:00 – 15:30 Uhr, finden in der Ev. Paulusgemeinde für Kinder zwischen 6 und 12 Jahren die Bessunger Ferienspiele 2016 statt.

In der ersten Woche kommst du mit uns nach Schweden zu einem Besuch bei Pippi Langstrumpf in der Villa Kunterbunt. Gemeinsam mit Pippi, Tom und Annika gibt es viel zu erleben und zu entdecken. Es wird kunterbunt in dieser Woche.

Die zweite Woche steckt voller Spannung und Abenteuer. Begleite Robin Hood im Sherwood Forest. Komm mit uns auf einen Streifzug durch den Wald und erlebe spannende Abenteuer. Bist du bereit?

Es erwarten dich Tage voller Spiel, Spaß, Ausflügen, Theater, kreativen Angeboten, Tanz, Geschichen und vieles mehr. Die Bessunger Ferienspiele werden von einem Team ehrenamtlicher Jugendlicher und junger Erwachsener unter der Leitung der Gemeindepädagogin für Bessungen geplant und durchgeführt.

Der Teilnehmerbeitrag beträgt pro Woche 50,00€. Die Anmeldung ist möglich über das Anmeldeformular im Flyer. Im Flyer finden Sie alle weitern wichtigen Informationen. Die Anmeldung mit dem Flyer finden Sie ab Montag, den 11.04.2016, unter www.andreasgemeinde-darmstadt,de, www.paulusgemeinde-darmstadt.de und www.petrusgemeinde-darmstadt.de.

Laden Sie sich das Anmeldeformular herunter, drucken Sie und füllen Sie es aus, geben Sie es im Gemeindebüro der Ev. Paulusgemeinde, Niebergallweg 20, ab oder werden Sie es in den Briefkasten des Gemeindebüros und zwei Wochen voller Spannung und Abenteuer können für Ihr Kind beginnen.

Ab Montag, den 11.04.2016, liegt der Flyer mit den Anmeldeformular auch in den Bessunger Gemeinden aus. Bei Fragen steht Ihnen die Gemeindepädagogin für Bessungen, Regine Häge, unter 06151 3530148 oder per Mail gerne zur Verfügung.

 

Flyer und Anmeldeformular:
Bessunger Ferienspiele Flyer und Anmeldeformular

Ostern 2016

Frohe Ostern!

Der Ostersonntag ist einige Tage her, die Festlichkeiten zu Ende, die Gästezimmer wieder leer und beim Einkaufen im Supermarkt ist wieder Normalität eingekehrt. Die Feiertage rund um Ostern sind wohl die bedeutendsten Feste der Christenheit. Ich hatte mich selten so intensiv mit den Festen und ihren Ritualen auseinandergesetzt wie in diesem Jahr. Vielleicht ein guter Anlass, über das Geschehen zu Ostern in unserer Andreasgemeinde zu berichten.

Jugend-Event zum Ostergeschehen

Den Anfang machte die Jugend. Schon etwa zwei Wochen vor dem Ostersonntag fand ein Jugend-Event zum Ostergeschehen, zwar nicht in der Andreasgemeinde, sondern in der Pauluskirche statt. Geplant und durchgeführt wurde diese Veranstaltung gemeinsam für alle Jugendlichen der Region Bessungen. Viele Konfi-Gruppen aus Darmstadt fanden den Weg zu den Stationen, die an den Kreuzweg Jesu angelehnt waren. Bilder zeigten die historischen Orte in Jerusalem, wie sie sich heute darstellen. Bilder, Geräusche und Texte luden zum Nachdenken, Schreiben oder zum Austausch ein.

Gründonnerstag

Sedermahl in der Andreasgemeinde

Der Abend des letzten Zusammentreffen Jesu mit seinen Jüngern. Als Ursprung unseres Abendmahls wurde zu diesem Gedenken, schon vor einigen Jahren ein besonderes Ritual in der Andreasgemeinde eingeführt. Eine Tafel, gedeckt wie im Restaurant, so fand ich den Kirchsaal an diesem Abend vor. Dieser besondere Gottesdienst wurde mit Elementen des jüdischen Sedermahls gefeiert. Das ritualisierte Sprechen, Essen und Trinken ließen die Tradition erleben, in der Jesus wohl einst mit seinen Jüngern das jüdische Passahfest beging. Das letzte Mahl Jesu, wohl im Bewusstsein um seinen nahen Tod.

Karfreitag

Das Sterben Jesu. Die Evangelien berichten vom grausamen Tod Jesu am Kreuz, mit allem Leid, die der Mensch Jesus erlitten hatte. In der Erinnerung an den Tod Jesu, wurde der Kirchenschmuck entfernt und der Altar leer geräumt. Zuletzt befanden sich nur eine Dornenkrone und ein brennendes Grablicht auf dem Altar. Stille und Gedenken an die Situation, in der sich die Anhänger von Jesus wohl befunden hatten.

Die Osternacht

So dunkel wie die Szenerie vom Karfreitag, so finster noch der Kirchsaal, in dem sich die Andreasgemeinde in der Osternacht versammelt hatte.

Nach einer Zeit der Trauer wollten Maria Magdalena und die „andere Maria“ Abschied von Jesus nehmen und gingen noch einmal zu dessen Grab. In dieser Osternacht berichtet ein Engel den beiden Frauen, die das leere Grab vorfinden, von einem der größten Wunder in der Geschichte Jesu: seiner Auferstehung.

Am Osterfeuer im Innenhof der Gemeinde wurde die Osterkerze entzündet und an ihr viele andere Kerzen, die zurück in den Kirchsaal gebracht wurden und ihn wieder erleuchteten. „Er ist wahrhaftig auferstanden“ wurde von der Gemeinde wiederholt, nachdem über die Auferstehung und das Erscheinen von Jesus vor den beiden Frauen berichtet wurde. Nachdem das Licht und damit das Symbol für die wiederkehrende Hoffnung zurück in die Gemeinde gekommen war, wurde der Altar erneut geschmückt.

Ostersonntag

Der Familiengottesdienst mit Abendmahl bildete schließlich den fröhlichen Höhepunkt der Feiern um Ostern. Mit dem Ostersonntag nun, schließt sich der Kreis meines Berichts vom Anfang. Seit der Osternacht wünschen wir uns „Frohe Ostern“ und die Passionszeit ist zu Ende.

IMGP0330s_1000x400pxDer Gottesdienst, bei dem von Kindern ein dunkles Kreuz in der Mitte des Kirchsaals mit Blumen geschmückt wurde, bot noch einen weiteren, besonderen Höhepunkt für die Familien der Andreasgemeinde. Das anschließende Ostereiersuchen auf dem Gelände der Kindertagesstätte, bei dem alle Kinder gemeinsam suchten, aber auch alle abschließend das Gefundene gerecht untereinander aufteilten.

Eine schöne Tradition, so finde ich, die ein wenig anders funktioniert, als man es hätte erwarten können. Vielleicht hat sie sich ja auch deswegen bis heute gehalten.

Heiko Schock

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Die Gestaltung einer Nachbarschaft

Jahrelang war es still um die großen Gebiete, die die amerikanische Armee nach Ihrem Wegzug aus Darmstadt vor einigen Jahren hinterlassen hatte. Die Gebiete waren umzäunt, menschenleer und an einigen Stellen, begannen schon Pflanzen einen Teil der Infrastruktur zu überwuchern.

Doch dann, kam gefühlt alles ganz schnell. In der Lincoln Siedlung wurde abgerissen, gebaut und saniert. Bald nach den ersten Aktivitäten kamen auch schon die ersten Bewohner. Studenten und Familien fanden Wohnraum. Wohnprojekte, Vereine und Kirchengemeinden begannen sich für das neu Entstehende zu interessieren. Neues Leben entsteht auf den Konversionsflächen.

Auch die Andreasgemeinde war schon früh einer der Akteure, die sich um die Gestaltung der neuen Nachbarschaft mühte. Zusammen mit der Matthäusgemeinde bewarben sich die beiden Kirchengemeinden um das Projekt DRIN, das durch die Diakonie und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, soziale Projekte fördert. Unser Projekt, “Kirche im Quartier – Nachbarschaft gestalten” soll den Prozess des Entstehens des neuen Wohngebiets auf Lincoln aktiv begleiten. Eines der wesentlichen Ziele dabei ist es, Ausgrenzung benachteiligter Gruppen zu verhindern und für ein gemeinsames Miteinander Sorge zu tragen. Dank der Förderung des DRIN-Projekts, kann ein(e) Sozialarbeiter(in) finanziert werden, als “Quartier-Manager“ zur Kooperation und Ansprechpartner für die Bedürfnisse der neuen Bewohner.

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Karin Böhmer, Margarete Reinel, Herbert Gunkel und Edda Haack

Am gestrigen Palmsonntag nun, war der offizielle Start für das Projekt von Andreas- und Matthäusgemeinde. Nach dem gut besuchten Gottesdienst, in dem das Gemeindemitglied Herbert Gunkel, unser Ansprechpartner für das DRIN-Projekt, in den Kirchenvorstand nachberufen wurde, konnte sich die Gemeinde über das Projekt informieren. Pfarrerin Margarete Reinel von der DRIN-Projektleitung, Edda Haack vom Diakonischen Werk Darmstadt-Dieburg und Herbert Gunkel berichteten über die Ziele, die Motivation und den Status unseres Projekts. Dabei wurde die sozialpolitische Aufgabe von Kirche und Diakonie betont, die diese Neugestaltung mit sich bringt. Die Offenheit unserer Gemeinde wurde hierbei gelobt und als gute Voraussetzung gewertet, die kommende Aufgabe auch bewältigen zu können. Die erfolgreiche Integration aller zugezogenen Bewohner, gleich welcher Herkunft, Religion oder sozialem Status, kann ein Modell für neu entstehende Nachbarschaft werden. Große Aufgaben, für eine der kleinsten Kirchengemeinden der Stadt. Sie wird durch den Zuzug und an ihren Aufgaben sicherlich wachsen können.

Ich persönlich mag Veränderungen und die Dynamik, die Neues mit sich bringt. Irgendwie aufregender als Stillstand und Stagnation. Doch oft liebe ich auch das Vertraute, die Ruhe im Innehalten und nicht zu vergessen, wo die Basis ist. Auch dies ist wohl, bei aller Neugestaltung, eine der wichtigen Aufgaben unseres Projekts.

Heiko Schock – Öffentlichkeitsarbeit der Andreasgemeinde Darmstadt

DRIN-Grafik: drin-projekt.ekhn.de
Foto: Heiko Schock

ChurchNight 2015: Luther meets Halloween

So begeneten sich Luther und Halloween

Einige Impressionen zu der Veranstaltung am 31.10.2015 in der evangelischen Paulusgemeinde.

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Und ob ich schon wanderte…
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…so wärmte ich mich erst mal auf.
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Hier war doch diese Stätte?
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Aber wer macht denn sowas?
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Ah, diese, dort im Hof!
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Reformation oder Halloween, …
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…wie war doch gleich die Frage?
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Ist das nicht schon angestaubt?
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Und bin ich jetzt schon reformiert?
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Also, zunächst einmal wird übersetzt…
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…moment mal, das dauert eben ein wenig!
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Siehst Du, doch ganz sympatische, die Idee!
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Doch hüte dich, vor der dunklen Seite der Macht!
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Die Dunkle Seite – die fürchte ich nicht mehr:
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Wenn dann nur das Feuer nicht ausgeht!

Fotos: Martin Lehmann

Silberne Ehrennadel für Herbert Gunkel

Laudatio anlässlich der Verleihung der Silbernen Ehrennadel an StD i.R. Herbert E. Gunkel

Text: Präses Dr. Ulrich Oelschläger

Sehr geehrte Frau Strobel, Vorsitzende der Dekanatssynode,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
insbesondere: Sehr geehrter Herr Gunkel, lieber Herbert,

wenn nicht jetzt wann dann?“ So lautet eine der berühmtesten Fragen im Talmud, genauer gesagt: in der Mischna, die im Talmud interpretiert wird. „wenn nicht jetzt wann dann?“ fragt Hillel, einer der berühmtesten antiken Rabbiner. Wenn nicht jetzt, nachdem Du die meisten Deiner fast unzähligen Ehrenämter beendet hast, wann dann sollten wir Dir, lieber Herbert, endlich einmal öffentlich Danke schön sagen für all das, was Du für Deine Kirche getan hast?

Hillel taugt nicht nur als Zitatengeber für eine Laudatio auf Herbert Gunkel, sondern auch in seiner Persönlichkeit. Hillel galt als weitherziger und geduldiger Lehrer. Zentral waren für ihn Nächstenliebe und Gewaltlosigkeit. Er hatte zahlreiche Schüler. Bis heute sind Hillels Worte in der jüdischen Überlieferung von wesentlicher Bedeutung, vor allem in der jüdischen Ethik. Und ich kann es mir nicht anders vorstellen als dass auch Du, Herbert, in den Köpfen und Herzen Deiner Schüler bis heute präsent bist und zwar insbesondere dann und dort, wenn es um das Tun des Richtigen geht.

„wenn nicht jetzt wann dann?“ ist aber nur die dritte und letzte der Fragen, die Hillel stellt. Das Zitat aus den Pirkej Awot, den Sprüchen der Väter, lautet vollständig:

„Wenn ich nicht für mich bin, wer ist für mich,
und bin ich nur für mich, was bin ich,
und wenn nicht jetzt wann dann?“
(Sprüche der Väter – Pirkej Awot 1,14)

Die zweite der Fragen: „bin ich nur für mich, was bin ich?“ – das könnte Dein Lebensmotto gewesen sein. Schon weit über ein halbes Jahrhundert lebst Du eine diakonische Existenz: vermutlich auch im Hauptberuf, hundertfach dokumentiert im Ehrenamt und auch als Privatmann. Nach außen hin gekrönt wurde das Ehrenamtliche durch Deinen Vorsitz im Ausschuss für Diakonie während der Zehnten Kirchensynode der EKHN. Aber das „bin ich nur für mich, was bin ich?“ scheint mir schon über Deinen ersten ehrenamtlichen Tätigkeiten als 14jähriger zu stehen. 1959 (!) beginnt eine mehrere Druckseiten umfassende einzeilig gesetzte Liste Deiner ehrenamtlichen Tätigkeiten. Ganz am Anfang steht „Kindergottesdiensthelfer und Jugendgruppenleiter“ in der Gemeinde, in der Du ein halbes Jahr zuvor konfirmiert worden warst.

Liebe Gemeinde, läse ich jetzt die genannte Liste vor, so würde ich die Länge der schönen Predigt, die wir soeben gehört haben, übertreffen. Diejenigen unter Ihnen, die von außerhalb der Andreasgemeinde gekommen sind, haben einen Auszug dieser Liste in der Einladung für diesen Gottesdienst lesen können. Nochmals verkürzend möchte ich wenigstens Folgendes nennen: Herbert Gunkel war Synodaler der Neunten und Zehnten Kirchensynode der EKHN und hier jeweils Ausschussvorsitzender; außerdem Mitglied zweier Dekanatssynodalvorstände des Ev. Dekanats Darmstadt-Stadt. Hier war er auch Vorstandsmitglied der Evangelischen Erwachsenenbildung.

Durch die Tätigkeit in der Kirchensynode hast Du, lieber Herbert, auch weit über Darmstadt hinaus gewirkt. Aber noch mehr: Insbesondere in Deiner Eigenschaft als Religionslehrer hast Du auf Landeskirchen- und auf Bundesebene Ehrenämter in wichtigen Gremien wahrgenommen, mehrfach in leitender Funktion. Nicht nur als Präses darf ich, sondern als jemand, der selbst wie Du als Religionslehrer und Studiendirektor gewirkt hat, kann ich auch fachlich würdigen, was Du hier geleistet hast.

Dabei hast Du anders als mancher Koätane nie die Bodenhaftung verloren. Wenn ich Deinen Lebenslauf neben den eines früheren Bundeskanzlers lege, so lesen sich die ersten 23 Jahre fast gleich. Schicksale im Krieg gezeugter Kinder, die von der Hauptschule aus ihren Weg gemacht haben, allen heute kaum noch vorstellbaren Schwierigkeiten zum Trotz. Du bist in den Jahrzehnten danach bei den Menschen geblieben, bei den Jungen, den Gleichaltrigen, den Alten. Und nicht zuletzt, sondern zuvorderst immer wieder bei den Benachteiligten und bei den Schwachen.

Liest man Deinen Beitrag in der Festschrift zum 60jährigen Bestehen der Darmstädter Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, so wird Dein Charakter besonders schön deutlich; pars pro toto möchte ich darauf eingehen. Kaum einmal fällt in diesem Aufsatz Dein eigener Name; wirklich deutlich wird nur dem, der Dich kennt, was Du hier geleistet und wie Du gewirkt hast. Politisch von Anfang an, z.B. gegen Neonazis und ewig Gestrige. Aber eben als religiöser Mensch, als Mann der Kirche. Mit der Organisation von Jugendreisen nach Israel schon in den 60ern des letzten Jahrhunderts hast Du Neuland betreten. Genauso mit der Heranziehung eines Rabbiners in der Ausbildung von Berufsschülern, die auf diese Weise bei ihrem Handwerk lernten, was Kashrut, Leben nach den jüdischen Vorschriften für Speisen, bedeutet. Du hast wesentlich dazu beigetragen, dass vertriebene Darmstädter Juden sich beim Besuch hier in ihrer Heimatstadt wohlgefühlt haben. Genauso zum Gelingen der Einweihungsfeiern der neuen Synagoge dieser Stadt. Dabei trittst Du nicht in den Vordergrund, sondern lässt die jungen Leute ihren, von Dir ermöglichten, aber auch gewiesenen Weg gehen. Schönerweise sind aber Deine Verdienste nicht nur manchen der unmittelbar Betroffenen bekannt geworden, sondern Du bist im Laufe der Jahre von staatlichen bzw. kommunalen Stellen in Darmstadt, in Italien, Ungarn und in Israel entsprechend geehrt worden. Umso überfälliger ist das, was wir heute kirchlicherseits tun.

Lieber Herbert, im Auftrag der Kirchenleitung der EKHN danke ich Dir von Herzen für Deine Lebensleistung in der EKHN und überreiche Dir als kleines Zeichen unseres Dankes und unserer Anerkennung die Silberne Ehrennadel unserer Kirche.

Beginn der Amtszeit des neuen Kirchenvorstands

Am heutigen 01.09.2015, beginnt die Amtszeit des im April diesen Jahres gewählten Kirchenvorstands. Den bisherigen Mitgliedern des Gremiums, danken wir für deren erfolgreiche Arbeit und wünschen, insbesondere den ausscheidenden Mitgliedern, alles Gute für ihren weiteren Weg. Den Mitgliedern des neuen Kirchenvorstands wünschen wir viel Freude an ihrem Engagement und Gottes Segen für die zukünftigen Aufgaben.

Der Einführungsgottesdienst des neuen Kirchenvorstands findet am Sonntag, den 13.09.2015 um 10 Uhr im Kirchsaal der Andreasgemeinde statt.

Ihre Andreasgemeinde

Nacht der Kirchen: Komm sei Gast…

Willkommen am Meer!

Liegestühle im Innenhof. Cocktails von der Strandbar. Die Liedtafeln wurden zu Segeln, Stuhlkreise davor zu Booten dekoriert. Überall Kerzenlicht mit Sand und Muscheln. Im Zentrum des Kirchsaals ein Moblie aus 1527 Origami-Fischen. Leise elektronische Musik. Ein maritimer Ort der Ruhe? Dieses außergewöhnliche Erscheinungsbild bot die Andreasgemeinde am Abend der Nacht der Kirchen.

Am 26.06.2015, pünktlich um 19 Uhr erklang unsere handbetriebene Glocke, zeitgleich mit allen anderen Kirchenglocken Darmstadts. Eine Stunde lang wurde die älteste Glocke Darmstadts immer wieder begeistert von Groß und Klein geläutet. Dieses besondere Erlebnis läutete sprichwörtlich die Jugendkirche in der Andreasgemeinde ein. Von diesem Zeitpunkt an wechselten sich Ruhe und ein buntes Programm ab.

Den Start machten die vielen Origami-Fische im Kirchsaal, die in den einleitenden Worten von Projektleiterin Regine Häge zusammen mit Heiko Schock thematisiert wurden. All jene, die danach aktiv werden wollten, konnten sich selbst in Origami üben. Zeitgleich startete die Graffiti-Aktion vor dem Gemeindezentrum, die fast ununterbrochen bis spät in die Nacht andauerte. Den spirituellen Teil der Veranstaltung übernahm Lucas Pöpel. Passend zum Thema beschäftigte er sich mit der Geschichte vom Fischer Simon, nach Lukas, Kapitel 5. Später am Abend, gab Beate Althaus ein Klavierkonzert, das von Meeres-Impressionen bildlich begleitet wurde. Ein wenig lauter, aber ein weiteres Highlight der Veranstaltung, waren die beiden Trommelworkshops mit Christian Paulus.

Über den Abend verteilt kamen etwa 150 Besucher in unsere Gemeinde. Die Nacht der Kirchen in Darmstadt 2015, mit insgesamt 20.000 Besuchern, wurde durch die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) organisiert. An 49 Orten in Darmstadt boten kirchliche Einrichtungen und Gemeinden unterschiedlichste Programme an. Die nächste Nacht der Kirchen soll voraussichtlich in zwei Jahren stattfinden.

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Fotos: Rebecca Keller, Sylvia Steppat, Heiko Schock
Text: Heiko Schock